Das
genaue Alter des Bleierz-Bergbaues im Rescheider Revier ist nicht bekannt.
Einige Hinweise sprechen schon für einen Bergbau in keltisch-römischer
Zeit. Die erste bisher bekannte schriftliche Erwähnung stammt aus dem
Jahre 1543.
Am 03.März 1543 ernannte Johann IX. Graf von Salm, Herr zu Reifferscheid,
Dyck und Alfter den Bastian von Stuckart zum Bergmeister „uff unseren
bergwerck Reischeidt". Der Bergbau wurde im Eigenlöhner-Betrieb
durchgeführt. Jeder, der mochte, konnte in Abstimmung mit dem Bergmeister
und unter Abgabe des Zehnten an den Landesherrn, den Grafen von Reifferscheid,
auf eigene Faust Bergbau betreiben.
Der Bergbau wurde anfangs oberflächennah über kleine Schächte
bis hinab auf den Grundwasserspiegel, eine natürliche Grenze, betrieben.
Spätestens im 16. Jahr hundert ging man vermutlich auch hier zum Stollenbetrieb über.
Um die Erzvorkommen weiter in die Tiefe abbauen zu können, mussten zunächst
Wasserlösungsstollen angelegt werden, über die der Grundwasserspiegel
abgesenkt wurde.

In der
Zeit von 1690 bis 1790 ruhte der Betrieb.
Mit dem Einmarsch der Franzosen
im Jahre 1794 wurde das moderne französische
Bergrecht eingeführt, welches ab 1815 von den Preußen übernommen
wurde.
Nunmehr wurden Bergwerkskonzessionen an solvente Unternehmerpersönlichkeiten
oder an entsprechende Gesellschaften verliehen. Dabei treten auch überregional
so bedeutende Konzessionäre wieder Indus-triepionier John Cockerill
(1839 ), der Weltgeltung erlangte, oder auch der Aachener Ehrenbürger
Barthold Suermondt (1847) in Rescheid in Erscheinung.
Die Bergwerkskonzession
von John Cockerill maß 174 212
Quadratlachter (1 Lachter entspricht ca. 2 m). Barthold Suermondt ließ 1847
auf 1 442 585 Quadratlachter erweitern.

Im
Jahre 1849 gründete Suermondt die Commandit-Aktien-Gesellschaft von „Wohlfahrt
und Glücksanfang". Erstmalig wurde der heute noch übliche Grubenname
verwendet. Suermondt war jedoch auf schnellen Ertrag aus. Er ließ unbergmännisch „Raubbau" betreiben,
weshalb die Grube durch das Bergamt geschlossen wurde. Ungefähr 200
Arbeiter verloren ihre Arbeitsstelle. Suermondt beendete sein Engagement
in Rescheid.
Im
Jahre 1861 kaufte der Brauereibesitzer und Rentner Bernhard August Wirtz die
Konzession. Außer ein paar kleineren Schürfarbeiten ließ Wirtz
allerdings keine bergbaulichen Aktivitäten durchführen. Er verpachtete
im Jahre 1877 die Gruben"Wohlfahrt und Schwalenbach" an die englische
Firma „Continental Diamond Rock Boring Company Limited" mit Sitz
in London und Leipzig.
Diese
englische Firma richtete zunächst auf „Wohlfahrt" und später
auch auf "Schwalenbach" einen sehr modernen Betrieb ein. Da in der
Sektion „Wohlfahrt" die Erze mit zunehmender Teufe vertaubten, wurde
der Betrieb hier jedoch schon im Jahre 1885 aufgegeben.
Um
die moderne Erzaufbereitung auf "Wohlfahrt" auch für die Grube "Schwalenbach" nutzen
zu können, beschloss man, die Gruben durch eine Verlängerung des "Wohlfahrter" Wasserlösungs-stollen
bis zu den Schächten auf "Schwalen-
stollen
bis zu den Schächten auf "Schwalen-bach" zu verbinden. Der
Durchschlag erfolgte im Jahre 1893.
Gleichzeitig wurde der Stollen auch erweitert
und für die Grubenbahn
hergerichtet. Im Stollen verkehrte zunächst eine pressluftbetriebene
Lokomotive. Der Zug beförderte Erze und Haufwerk zur Aufbereitung am "Wohlfahrter" Stollenmundloch
und nahm auf der Rückfahrt Kohlen für die Dampfkessel oder Grubenholz
etc. mit nach "Schwalenbach".
Ab 1907 wurde die Anlage elektrifiziert. Man produzierte den Strom mittels
Generatoren vor Ort.

Kurz
vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, im Jahre 1914, wurde dann der Stromanschluss
an das Heimbacher Kraftwerk realisiert. Dies war auch bitter notwendig, denn
an einen Kohlentransport mittels Eisenbahn war in Kriegszeiten nicht zu denken.
Die Grube konnte sich nur aufgrund des enorm gestiegenen
Verkaufspreises für Blei im Krieg halten. Gegen Ende des Krieges, man hatte mittlerweile
die 440 m und auch schon die 480 m Sohle erreicht, war ein Betrieb nur noch
mit Zubußen aufrecht zu erhalten. 1922 wurde der Betrieb gänzlich
eingestellt.

Trotz
des nicht unerheblichen finanziellen Ein-satzes blieb das Unternehmen ein Zuschuss-betrieb.
Im Jahr 1936 gelang es den Besitzern, die Grube erneut zu verpachten, nämlich
an den Kabelhersteller Felten & Guillaume Carlswerk AG. Die Firma Klöckner
Humboldt Deutz errichtete eine moderne Flotationsanlage zur Erzaufbereitung.
Auf einer im östlichen Grubenfeld neu aufgefah-renen
Sohle traf man nur geringe, nicht bauwürdige Erze an; die aufgrund
eines optimistischen Gutachtens vermuteten Erzmittel waren längst abgebaut.
So konnten nur 314 t Bleierzkonzentrat ausgebracht werden. Die ge-samte Ausbeute
in 5 Betriebsjahren betrug lediglich 1010 t Blei-Metall.
Im
Jahre 1941 wurde die Grube Wohlfahrt endgültig stillgelegt. Die "Wirtz'sche
Bergwerke Grube Wohlfahrt und Schwalenbach GmbH" ging am 22.03.1961 in
Liquidation und wurde aus dem Handelsregister (Bonn HRB 1071) gelöscht.
Die Bergwerkskonzession liegt nach einer Verfügung des Landesoberbergamtes
vom 07.12.1992 seit dem 22.05.1990 im Bergfreien. In den 50er und 60er Jahren
wurden sämtliche Schächte und Stollenmundlöcher aus Sicherheitsgründen
verfüllt.